Haben die das wirklich nötg?

Samstag 19 August. 2006 um 0:25 | Veröffentlicht in Alltag, Betrug, Der ganz normale Wahnsinn, Dumme Welt, Versicherungen, wunderbare Welt | 1 Kommentar

Und nun mal wieder was völlig anderes.

Versicherungen, von vielen Menschen gehasst wie das Finanzamt, werden aber hingenommen wie Regenwetter. In meinen Augen eine Geißel der Menschheit, genauso wie Banken und andere Shareholder.

Heute morgen sprach mich ein guter Arbeitskollege an, ob ich für ihn ein schreiben feertig machen kann, wo er von seinen Widerrufsrecht bei einen Versicherungvertrag gebrauch machen kann, und das Ganze dann am besten mit der Post raus schicken, da er die Faxnummer nicht findet und von E-Mail ja sowieso keine Ahnung habe.

Daraufhin fragte ich ihn erstmal, warum er den Vertrag denn widerrufen wolle. Er entgegete, dass er am Anfang der Woche ein Telefon Gespräch mit der Versicherung hatte, wo sie ihm ein neues Produkt vorstellten. Er hörte sich kurz an, was die zu sagen haben, und bat sich dann Bedenkzeit aus, oder wie er sagte, dass er eine Nacht drüber Schlafen müsse, sein Gegenüber entgegnete daraufhin, dass er dann in den nächsten Tagen Informationsmaterial erhalten werde. Was kam war allerdings eine Versicherungspolice.

Es handelte sich dabei um sowas wie eine staatlich geförderte Zusatzrente für 14,-EUR im Monat, mit 16 jähriger Laufzeit, und mit einer monatlichen Ausszahlung von 150,-EUR ab 2003. Eigentlich nichts verkehrtes, aber der Gute hat schon Lebensversicherungen für insgesammt 160,-EUR monatlich laufen, unter anderen auch bei der Nürnberger Versicherung. Die jetzt probiert haben, meinen Kollegen diesen Vertrag unter zu jubeln.

Ich hab ihm gesagt, dass ich das natürlich gerne für ihn mache, mir aber doch überlege ob ich die Nürnberger Versicherung mal Anrufe, vielleicht ist es ja auch nur irgendein CallCenter welches seine CallCenterAgents mit Provisionen zu locken versucht, und sie dabei zu unlauteren Mitteln verleitet.

Gegen Mittag habe ich dann in Nürnberg angerufen, ich nannte meinen Namen und machte gleich darauf aufmerksam, dass ich mit der direkt Sache nichts zu tun habe, außer dass mein Kollege mich darum gebeten hatte, mich um den Widerruf des Vertrages zu kümmern.

Das Gespräch lief in etwa wie folgt ab:

Telefon klingelt…

Sie: Nürnberger Versicherung, sie sprechen mit Frau xxxxxx (im besten fränkisch).

Ich: Edwards, Guten Tag. Ich rufe nicht in eigener Sache an, sondern weil mich ein Kollege gebeten hat, einen Widerruf zu schreiben. Der gute Mann ist leider nicht so firm in Rechtschreibung und moderner Kammunikation, und bittet mich häufig seinen Papierkram zu erledigen.

Sie: Ihr Kollege ist der deutschen Sprache nicht so mächtig? (Die Arroganz war hörbar)

Ich: Doch ist er, aber er kann eben nicht so gut schreiben. Allerdings ist mir dabei etwas hochgekommen, und zwar das Frühstück. Das Problem ist folgendes: Ich habe meinen Kollegen gefragt, wieso er denn diesen Vertrag habe, wenn er ihn dann doch widerruft. Er erzählte mir dann von einen Telefongespräch, wo ihm dieses neue Produkt vorgestellt wurde. Er sagte, dass er darüber nachdenken müsse, worauf ihm gesagt wurde, dass er dann eben ein bisschen Informationsmaterial zugeschickt bekomme. Gestern war dann in der Post kein Informationsmaterial sondern gleich der Versicherungsschein. Soll ich ihnen die Schein Nummer sagen?

Sie: Ja bitte.

Ich: L xxxxx xxx xxx xxx

Sie: xxx xxxxxx. Dann soll Herr xxx eben den Versicherungsschein mit einen Widerruf zurückschicken. (Sie war schon leicht angeziggt).

Ich: Entschuldigung, aber er hat unaufgefordert einen gültigen Vertrag zugeschickt bekommen, und soll ihn denn auf eigene Kosten und Aufwand zurückschicken?

Sie: Ja

Ich: Okay, ich Fax ihnen gleich mal den Widerruf durch. (Zwischenzeitlich hatte ich die Faxnummer gefunden)

Sie: Warum geht sie das eigentlich was an? (Sie wurde immer ziggiger)

Ich: Ganz einfach wenn ein CallCenter Mist baut sollte man dem Auftraggeber doch darüber informieren, dass dort schlecht gearbeitet wird. Und außerdem ist es mir neu, dass Verträge dieser Art plötzlich auch telefonisch gültig sind. Meiner Erachtens muss dann immer noch ein Antrag zum Kunden geschickt werden, der diesen dann ausgefüllt und Unterschrieben zurück schickt. Alles andere ist nicht korrekt.

Sie: Wir beschäftigen kein CallCenter. (Oh mein Gott, ich werf ihr einen Rettungsring zu, und sie macht nicht mal anstalten ihn zu fangen…)

Ich: Das macht die Sache nicht besser. Ganz im Gegenteil. Ich empfinde es als nett von mir, dass ich mit ihnen Kontakt auf nehme, andere würden bei so einer Geschichte sofort zur Verbraucher Zentrale rennen, die die Geschichte dann gleich in den Medien breit treten. (Im Ernst, würde meine Hauptversicherung auf die Idee kommen, so eine Nummer mit mir ab zu ziehen, würde ich mit sofortiger Wirkung alle bestehenden Verträge kündigen, bzw. ruhen lassen. Die Begründung wäre für mich auch sehr einfach: Bruch des Vertrauensverhältnisses)

Sie: Ja das kann sein. (In einen Ton, der einen eine Tiefkühltruhe behaglich vorkommen lässt.)

ich: Dann wünsche ich ihnen noch ein schönes Wochende.

Sie legte dann auch einfach auf…

Ich meine, mal ganz im Ernst, wenn ein CallCenter sowas verbockt, würde ich als Kunde sagen: Schwamm drüber, vor allem wenn die Gegenseite zumindest versucht so zu klingen, als ob sie den Kunden ganz doll lieb haben, und ein Ohr für seine Sorgen und Nöte haben. Allerdings hat die Nürnberger Versicherung in diesen Falle telefonisch zugegeben, dass sie es selber waren.

Wie tief muss man eigentlich sinken, um zu solchen Drückermethoden zu greifen?

ich denke mal, dass eine solche Aktion einen Unternehmen deutlich mehr Schaden als nützen. Mich wird die Nürnberger Versicherung nicht so schnell als Kunden kriegen….

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1 Kommentar »

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  1. Danke für diesen Beitrag. Bei uns ist es genau so gelaufen.Versicherungsschein ausgestellt am 17. 11.2006 Erhalten per Post am 28.12.2006 und das bei einem 30tägigen Widerspruchrecht.
    Habe mich gerade beim Aufsichtsrat der Nürnberger Versicherung schriftlich beschwert. Diese Verträge entbehren jeder Rechtsgrundlage.
    Man sollte dagegen klagen und Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde in BNonn einlegen.
    Wir werden unsere anderen Verträge bei dieser Versicherung ruhen lassen.


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