Freiheit durch Sozialismus

Sonntag 17 Juni. 2007 um 12:14 | Veröffentlicht in Der ganz normale Wahnsinn, wunderbare Welt | 9 Kommentare

Das neue Motto der neuen Linkspartei, deren beiden Chefs Gregor Gysi und Oskar Lafontaine der Meinung sind, dass der Sozialismus besser zum Grundgesetz passt als der Kapitalismus. Nur muss man sich fragen, ob der Sozialismus überhaupt noch Zeitgemäß ist, denn der Sozialismus und auch der Kommunismus wurden erschaffen um die Arbeit vom Kapital zu befreien. Es ist zwar ein ehrenwerter Gedanke aber in meinen Augen überlebt. Dieser Gedanke stammt aus einer Zeit, als es noch Arbeit im Überfluss gab und das Großkapital den Gewinn nutzten um ihren Reichtum zu vergrößern, während die Arbeiter eine Existenz am Minimum pflegten. Ich werde es nicht müde zu sagen, dass wir in einer Zeit leben, in der Vollbschäftigung eine Illusion ist, und folglich die Arbeit vom Kapital zu befreien eine im allerhöchsten Maße zweitrangige Aufgabe darstellt. In der heutigen Zeit sollte der Gedanke sein, wie man den Menschen von den Zwang zur Arbeit befreien kann, ohne ihn zu schädigen und trotzdem Wege findet ihm das Gefühl zu geben dazu zu gehören. Dazu gehört meines Erachtens auf jeden Fall ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Wir brauchen also ein völlig neues Gesellschafts-Modell, welches die Belange des Einzelnen genauso schützt und respektiert, wie die Belange der Gesellschaft. Der Kommunismus hat versucht Arbeit vom Kapital zu trennen. Die nächste Bewegung muss versuchen den Menschen von der Arbeit zu trennen. Das ist die Herauvorderung für die Zukunft: Die völlige Entmachtung des Kapitals und das Überdenken der bisherigen Wertevorstellungen. Also Freiheit statt Kapitalismus.

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9 Kommentare »

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  1. zappi, du sprichst mir aus der seele!

    nur durch ein bedingungsloses grundeinkommen kann man allen menschen ihre würde zurückgeben.

    die macht des kapitals muß gebrochen werden!

  2. Diese Theorien von bedingungslosem Grundeinkommen scheinen grade so eine Mode zu sein. Ich muss gestehen, ich verstehe das System dahinter nicht.

    Wenn man mir Geld zahlen würde, egal was ich mache, warum sollte ich dann irgendwie motiviert sein irgendwas besonderes zu leisten und besser zu werden? Fehlt dann nicht jeder Anreiz zur persönlichen Weiterentwicklung?

    Und dann kann ich mir nicht vorstellen, dass so ein System zu finanzieren ist. Aber da ich davon zu wenig verstehe um es wirklich beurteilen zu können, würde ich dem Argument des fehlenden Leistungsanreizes erstmal mehr Bedeutung zumessen.

  3. Bedingungsloses Grundeinkommen bedeutet ja nicht, dass dir gebratene Hünchen in den Mund fliegen. Es bedeutet, dass die schon mal die grundlegensten Sachen zu deiner Existenzsicherung, wie Miete, Nahrung und ein Mindestmaß an sozialer Partizipation gesichert sind. Es bedeutet nicht 4 mal im Jahr Urlaub und jedes Jahr nen neuen schicken Spritfresser vor deiner Tür für jedes deiner volljährigen Familienmitglieder. Wenn du mehr willst, dann musst du auch mehr dafür machen. Darin liegt der Anreiz.

    Wie man das Finanziert ist natürlich eine gute Frage, die sich aber meiner Meinung nach in dem Moment relativiert, wenn man bedenkt, dass der Verwaltungswasserkopf eben wegen der nicht mehr durchzuführenden Prüfungen entfällt. Okay, die wären dann auch arbeitslos, aber sie sind dann nun mal überflüssig. Mein Arbeitskollege hat drei Kinder und wir haben sein Gehalt mal mit den Leistungen aus Hartz4 verglichen, er hätte gerade mal eben 12,-Euro weniger als jetzt. Warum geht er arbeiten? Weil er es nicht anders kennt, und weil er dadurch eben eine Aufgabe hat. In Deutschland geht es vielen Menschen schon so, dass sie mit ihrer Arbeitskraft nicht mehr in der Lage sind sich selber und ihre Familien zu erhalten. Diese Menschen halten sich oft für Versager und leiden an Depressionen. Dafür zu sorgen, dass die Menschen in diesen Land ihre Leistung anständig vergütet kriegen scheint nicht im Interesse der Politik und auch nciht der Gewerkschaften zu liegen. So habe ich zumindest den Eindruck, deshalb bleibt in letzter Konsequenz nichts anderes, als ein bedingungsloses Grundeinkommen zu fordern.

    Mir fallen jede Menge von Vorteilen ein die dieses hätte. So würden viele Vereine die Ehrenamtliche Arbeit leisten davon profitieren. Menschen die aus welchen Umständen auch immer nicht studieren konnten, können es so ohne schwere Einschnitte machen. Die Wirtschaft meckert doch immer darüber, dass Fachleute fehlen, dann gebe es plötzlich welche. Den einzigen echten Nachteil sehe ich bei den Arbeitgebern. Ihr Gegenüber ist auf einmal nicht mehr erpressbar. Sprüche wie, wenn du das nicht machst fliegst du raus, sorgen nur noch für ein Mitleidiges lächeln auf den Gesichtern der Arbeitslosen. Die Arbeitgeber müssen sich plötzlich mit ihren Vertragspartner arrangieren. Motivation ist oft die Freude an der Arbeit. Die Freude an zufriedenen Kunden, die Freude diesen anz bestimmten Auftrag mit größter Präzision erledigt zu haben, die Freude mit netten kollegen tagsüber zu tun zu haben. Dass muss Motivation sein, nicht die Angst um seinen Arbeitsplatz. Firmen die mit der Angst ihrer Mitarbeiter spielen haben, und das weiß ich aus eigener Erfahrung, sowieso ein Qualitätsproblem.

  4. Was ist „Ein Mindestmaß an sozialer Partizipation“? Ansonsten klingt es irgendwie wie die Sozialhilfe, bzw. Hartz4 von heute – nur eben ohne Bedingungen. Darüber kann man reden, nur wäre es verkehrt so ein Einkommen so hoch anzusetzen, dass wirklich jede Motivation fehlt – wo da die Grenze sein soll und wie man die findet dürfte nicht ganz leicht zu ermitteln sein. Außerdem muss dieses Grundeinkommen von Ort zu Ort an die dortige Wirtschaft angepasst sein. Wo die Preise niedriger sind, da muss auch ein solches Einkommen entsprechend geringer sein – alles andere wäre schließlich ungerecht.

    Ich bin immer noch sehr skeptisch, ob das ein vernünftiger Ansatz ist. Im Zweifel wäre es dann doch ziemlich leicht, es sich in der Sozialen Hängematte bequem zu machen und ich sehe wirklich nicht, dass die Mehrzahl der Menschen dann wirklich noch Lust hat, diesen Menschen ihre Hängematte Monat für Monat zu erwirtschaften.

    Ich würde mir denke ich etwas verschaukelt vorkommen und es mir eventuell auch lieber in dieser Hängematte bequem machen und nur noch das tun, wozu ich Lust habe. Es sollte mich wundern, wenn ein relevanter Teil der Menschheit wirklich eine so soziale Ader hat, dass er gerne für viele Tausende andere Geld verdient. Ich kenne jedenfalls nicht einen einzigen Menschen, von dem ich das erwarten kann.

  5. An dieser Stelle darf ich einwerfen, das von den 27 EU Mitgliedsstaaten bereits 20 ein Mindestlohn eingeführt haben und ALLE sehr gute Erfahrungen und Resultate damit erzielten (Ja selbst in den sonst so unsozialen USA gibt es einen Mindestlohn). Mindestlohn unterbindet Lohndumping und somit auch Preisdumping z.B. in der Dienstleistungsbranche. Derzeit ist es z.B. bei den Schlachtern so, das auf großen Schlachthöfen Schlachter aus dem Gebiet der ehemaligen UDSSR für unter 5€ pro Std. eingesetzt werden, was zu dem fast völligem Ersatz der hiesigen Arbeitnehmer geführt hat. Es gibt Sicherheitsdienste aus dem Osten dieser Welt die in Deutschland ihren mitgebrachten Mitarbeitern 3€ pro Stunde bezahlen und auf manch einer Erdbeerplantage verhungern Erntehelfer für nichtmal 5€ pro Stunde. — Nur, wer kann denn schon für 5€ Stundenlohn seine Familie (bei normaler Arbeitszeit) „normal“ Versorgen?? Mindestlohn MUSS kommen und er muss deutlich über der sozialen Hängematte der ARGE angesiedelt werden! IMHO sind 8€/Std. durchaus realistisch und bezahlbar! Wer glaubt damit große Sprünge machen zu können sollte es für sich vielleicht mal durchrechnen…
    Beispiel:
    Typisch deutsche Famile…
    1 Vater
    1 Mutter
    1,4 Kinder
    Vater arbeitet 40 Std. pro Woche für 8€/Std.
    Mutter arbeitet Teilzeit 10 Std. pro Woche für 8€/Std. Also 50 Wochenarbeitsstunden mal 8€/Std., macht Summa sumarum 1600€ BRUTTO im Monat. DAVON macht niemand große Sprünge! Aber davon kann man LEBEN

  6. Was ist “Ein Mindestmaß an sozialer Partizipation”?

    Vielleicht eben doch mal mit der Familie ins Kino, Schwimmbad, Theater, Jahrmarkt gehen können . . .

  7. Beißt sich ein Mindestlohn nicht vom Modell her völlig mit der These vom Bedingungslosen Grundeinkommen? Ich hätte das eine jetzt für einen Gegenentwurf für das andere gehalten.

    Dieses tolle Argument, dass es ja schon in 20 Ländern einen Mindestlohn gibt und das dort seither alles supi läuft nervt so ein bisschen. in fünf Ländern davon ist der Mindestlohn höher als 8 Euro, in den meisten aber unter 5. Selbst im nicht allzu armen Spanien beträgt der Mindestlohn nur 3,99 Euro – ich finde, wenn man schon mit der großen Zahl von Ländern argumentieren will, dann sollte man das ruhig auch mal erwähnen.

    Dass es z.B. in Litauen trotz einem sagenhaften Mindestlohn von einem Euro nicht zu Problemen auf dem Arbeitsmarkt gekommen ist wundert mich jetzt nicht so wirklich.

    Natürlich kann man Länder nie einfach so 1:1 vergleichen aber das pauschale Holzhammerargument „machen doch alle so“ zieht darum eben auch nicht.

    Was geschieht eigentlich, wenn Vater gar nicht mehr arbeiten kann, weil seine Schlachterei dann direkt nach Russland geht, weil z.B. Mutter ihr Fleisch lieber bei so billig wie möglich kauft, als teure deutsche Wurst?

    Ganz ehrlich: Da ist mir ein staatlicher Schutzmechanismus, der ein mindest-Gesamteinkommen irgendwie sicherstellt dann doch lieber, als staatlicherseits willkürlich einen Mindestlohn pro Stunde festzulegen, der unter Umständen Jobs kosten kann. Damit wäre niemandem gedient.

    > Vielleicht eben doch mal mit der Familie ins Kino, Schwimmbad, Theater, Jahrmarkt gehen können

    Da wird ja schon deutlich, dass es nicht so leicht zu definieren ist, was ein „Mindestmaß“ in diesem Zusammenhang ist. Mir fällt dabei immer der Markenschulranzen ein, den eine Sozialhilfeempfängerin für ihr Kind eingeklagt hat, weil ihr Kind angeblich ansonsten gehänselt würde. Dass viele arbeitende Menschen sich auch nicht ohne weiteres überteuerte Markenartikel leisten können interessiert in dem Zusammenhang nicht und genau so entstehen dann genau die Verhältnisse, die jede Solidarität mit sozial Schwächeren schnell abtöten kann. Es ist schwer, da ein Optimum zu finden.

    Fast so schwer, einen Mindestlohn zu finden der genau richtig bemessen ist und eben keine Arbeitsplätze kostet.

  8. […] 1. Die Größe des “Kuchens” den man verteilen kann ist nicht fix, sondern wird durch höhere Abgaben in vielen Fällen reduziert. Dann gibt es auch weniger zu verteilen. Diesen Punkt scheinen viele Menschen nicht zu verstehen und damit wird Populismus betrieben. (z.B. hier oder hier) […]

  9. Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist aus meiner Sicht falsch. Wobei ich Dir/Euch recht gebe, dass sich etwas ändern muss: Unsere Köpfe, in dem was wir selbst von unserem Leben erwarten und wir glauben, Selbstverwirklichung erreichen können. Auf jeden Fall müssen Konsum-/Werbungsgetriebene Schbubladen aufgebrochen werden.

    Auch in anderen Fragen müssen wir das Denken verändern – z.B. im Personalmanagement bzgl. 50+ usw. Aber auch jeder selbst muss für sich umdenken. 50+ wird niemals eingestellt, wenn nicht ein lebenslanges Lernen betrieben wird…

    Zum bedingungslosen Grundeinkommen kann ich nur sagen, dass mir nicht nur das „Hängematte-Risiko“ zu groß wäre. Es ist auch schlichtweg unfair denjenigen gegenüber, die Arbeiten.
    Aus meiner sicht sollte jeder, der an Sozial-, Kranken-, Renten- und Pflegeversicherungstöpfen partizipiert, auch seinen Möglichkeiten entsprechend dazu beitragen, dass diese nicht leerlaufen (Generationengerechtigkeit). Diese Möglichkeiten sind leider nicht nur durch die Qualifikation oder die Interessen des Menschen abgegrenzt, sondern auch durch die verfügbaren Stellen auf dem Arbeitsmarkt. Man muss – nachdem eine gewisse Zahl von Bewerbungsanläufen gescheitert ist – sich eingestehen oder anerkennen, dass dann eben auch eine andere Tätigkeit zu übernehmen ist. Was ist schlecht daran, wenn ein ehemaliger Ingenieur ein öffentliches Hallenbad betreibt o.ä.?!
    Ich selbst bin Akademiker, Angestellter in leitender Position in einem Großkonzern und noch unter 30. Dennoch glaube ich, dass so etwas möglich ist und ich mich damit abfinden würde, wenn wir alle umdenken. Man braucht einfach schöne Hobbies!

    Und dann kommt das Thema Mindestlohn ins Spiel – Jeder soll von seiner Tätigkeit leben können – ohne wenn und aber. Und dann lieber den Mindestlohn etwas höher ansetzen als das bedingungslose Grundeinkommen. Hauptsache jeder leistet einen Beitrag. Zahlen müssen es in beiden Fällen ohnehin die Steuerzahler. Beide kommen beim Mindestlohn günstiger Weg als wenn noch x Arbeitslose mitzufinanzieren sind, die überhauptkeinen produktiven Beitrag für unser aller Wohl leisten.


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