Die Klasse machts

Samstag 30 Juni. 2007 um 22:16 | Veröffentlicht in Dumme Welt, Hartz IV, Umgang | 1 Kommentar

Ich lebe eigentlich in einer einfachen Welt, in der jeder für mich gleich ist. Ich wünsche mir von jeden, dass er mich wie einen gleichen behandelt, denn ich werde ihn auch so behandeln. Das gebietet mir die Ehre und der Respekt den man jeden Menschen entgegenbringen sollte. Das ist auch ein Grund, warum mir diverse Entscheidungen von Entscheidern in der Bundesregierung, egal welche, einfach nicht in den Kopf wollen. Nun ist und war die Frage für mich, warum ist das so? Ignorieren sie die Bedürfnisse der Menschen einfach? Sind sie einfach nur Ignoranten? Ich habe langsam das Gefühl, dass es nicht Ignoranz im herkömmlichen Sinne ist. Es ist, meiner bescheidenen Meinung nach, eine Frage der Klasse. Es scheint einen Teil, wenn auch kleinen Teil, der Bevölkerung zu geben, der in einer gewissen Art von Elite-Denken groß gezogen worden ist. Diesen Menschen kommt nicht mal in den Sinn, dass es Menschen gibt die nicht so Leben wie sie, und folglich auch andere Probleme haben. So ist es für die, ich nenne sie mal Elite, eine Frage was mein Kind nachher studieren soll, während ein Großteil der Eltern in Deutschland sich die Frage stellt, kann ich mir überhaupt eine Universitätsausbildung für mein Kind leisten. Nur so lässt sich für mich erklären, warum es in der Politik keinen großen Widerstand gegen Studiengebühren gab, denn ihre Kinder sind ja nicht betroffen. An sich schon erschreckend genug, aber das war es noch nicht was mich zum Schreiben animierte.

Der Protest gegen die Studiengebühren macht auf mich den Eindruck einer nur noch rein Studentischen Aktion. Bis auf ein paar kleinere aber wirkungsvolle Aktionen letztes Jahr in Hamburg, wo direkt ein Schild gegenüber der Uni am Dammtor war auf dem drauf stand „Hupe wenn du gegen studiengebühren bist“ und direkt dahinter ein Staatschützer der die Huper fotografierte, ist irgendwie dieses Jahr noch nichts von den Protest so richtig an die Öffentlichkeit gekommen. Die SPD hat zwar zum Wahlkampf in Hamburg angekündigt dieses auch zum Wahlkampfthema zu machen, ich befürchte aber wenn der Druck nachlässt, wird auch dieses Versprechen von der SPD in Vergessenheit geraten wie so viele andere vorher auch. Der Druck darf nicht aufhören.

Studiengebühren gehen jeden an, auch alle nicht Studenten. Jeder war mal Schüler, viele werden Eltern und werden Kinder haben, wo nachher die Frage auftaucht, ob das Kind nachher studieren soll. Soll denn diese Entscheidung vom Gehalt der Eltern abhängig sein? Ich denke nicht. Und 1.000 Euro im Jahr sind nicht viel, wenn man bedenkt, dass die Lehrmittel auch noch gekauft werden müssen, wo von Fachbereich zu Fachbereich unterschiedlich, doch auch schnell mal einige Kilo Euro für drauf gehen. Wie soll das eine Familie finanzieren, die die knapp über Hartz IV verdient?

Nehmen wir mal ein Beispiel. Da ist eine Familie die über ein Jahreseinkommen von 25.000 Euro verfügt. Diese Familie hat zwei Kinder wovon eines jetzt studieren möchte. Da dieses eine Kind nicht an seinen Heimatort studieren kann muss es irgendwo unterkommen. Ich hab mal als Wert 400,- Euro genommen, der zum Beispiel in Hamburg nicht zu hoch gegriffen ist. Laut dem Bafög Rechner würde das studierende Kind Bafög in Höhe von 530,- Euro erhalten, wovon 263,- Euro Staatsdarlehen sind, die später wieder zurückgezahlt werden müssen. Ziehen wir mal die Miete von 400,- Euro ab und den Anteil von 83,- Euro für die Studiengebühren sind wir bei glatten 47,- Euro die dem Kind bleiben. Das bedeutet also, dass das Geld für Essen und Trinken, die Monatskarte, die Lehrmittel irgendwo anders herkommen muss. Bei diesen Verhältnissen muss man schon einen sehr starken Willen haben sich überhaupt auf ein Studium einzulassen. Aber so genau soll das nicht sein. Die Möglichkeit zu studieren soll nicht nur in der Theorie jeden Möglich sein und auch offen stehen, sondern auch in der Praxis. Das war allerdings schon in der Prä-Studiengebühren-Zeit nicht gegeben.

Aber wieso wird das Thema nicht mehr in der Öffentlichkeit breitgetreten? Wo bleiben die Proteste? Wieso beziehen sich alle Aktionen nur auf die Studentischen Bereiche? Oder kommt mir das nur so vor. Falls mich aber mein Gefühl nicht täuschen sollte, haben wir es dann mit einer Klasse von Studierenden zu tun, die mit den Rest der Bevölkerung nichts zu tun haben will?

Es reicht doch schon wie die absolute und überhaupt nicht vertuschte Ignoranz aus Berlin auf die Bürger nieder regnet und dort über Sachen entschieden wird, von den die Entscheider nicht die geringste Ahnung haben. „Was war noch mal ein Browser?“ Diese Frage mussten sich kinder anhören als sie die Brigitte Zypries danach fragten wie viele Browser sie denn kenne. Es ist diese Art von Ignoranz die ich schon nicht mehr bedauerlich, sondern verabscheue. Ich kenne selber jemanden der sein zweites Studium angefangen hat, da er mit seinen ersten Studienabschluss in der freien Wirtschaft nichts wurde. Ständig nervt er seine Umwelt mit den simpelsten Fragen aus den Bereich Computer, die man mit einer Suchmaschine im Netz sehr schnell selber herausfinden kann. Aber er hat es nicht nötig, es gibt ja immer Trottel die die Arbeit für ihn machen. Dieser Student ist auf genau den Weg ein Voll- ich meinte natürlich Fachidiot zu werden, wie die Menschen die uns  regieren. Auch ihn habe ich im Verdacht, das er meint er sei was besseres als die anderen, sogar besser als die, die seine idiotischen Problem mit seinem Computer lösen. Da tauchten dann solche Perlen auf, dass er mit seinen (raubkopierten M$ Office nicht in der Lage war ein Datei mit der Endung .odt zu öffnen. Nach dem freundlichen Hinweis, dass er dazu am besten OpenOffice nehmen solle. Fragte er mich prompt wo er das kriegen könne. Einen Monat später frage er mich wie er eine Datei mit der Endung .odp öffnen könne. Meine Antwort war ein leicht erstauntes, ich dachte du hast OpenOffice drauf? Worauf er entgegnete, dass ich ihm ja nicht gesagt hatte, wo er das kriegen könne. ‚und noch mehr solche lustigen Geschichten, die eigentlich schon fast einen eigenen Blog Wert sind. Er hat übrigens nicht Philosfphie oder germanistik studiert, es war ein technisches Fach. Jetzt studiert er BWL, ud mein Gefühl sagt mir, dass er auch damit nichts wird. Hoffentlich geht er nicht die Politik…

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  1. Politiker sind auch nur dumme Menschen

    Medieninkompetenz oder was? Erschreckendes decken die Kinderreporter vom ARD Morgenmagazin auf. Es geht um Politiker, Computer und das Internet:
    “Browser, was sind jetzt nochmal Browser?” fragt nicht etwa meine Omma, sondern Brigitte Zypr…


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