Woher haben Religionen eigentlich ihren „guten Ruf“?

Donnerstag 6 September. 2007 um 12:03 | Veröffentlicht in Gott, Kultur, Rassismus, Terrorismus, Umgang, wunderbare Welt | 9 Kommentare

Nicht gleich losbashen, ich mein die Frage wirklich ernst und sie beschäftigt mich….
Woher haben Religionen ihren guten Ruf? Ich bin religionsfrei erzogen worden und bekam so die Möglichkeit mir meine ganz eigenen Gedanken zum Thema Religionen zu machen, meine eigenen Erfahrungen und Ansichten. Also schnappte ich mir neben der Bibel auch den Koran und einige Hinduschriften aber so richtig überzeugt hatte mich nichts davon, so das ich ohne Konfession blieb. Aber etwas was mir sehr aufgefallen ist, sind die Kriege die im Namen des Glaubens geführt wurden und werden, die Hexenverbrennungen, die Kreuzzüge, die Glaubenskriege im nahen Osten, in Irland … ja eigentlich überall auf der Welt. Angefangen von den Verfolgungen „Andersgläubiger“ im alten Ägypten über Christopf Columbus bis hin zu den Glaubenskriegen in Irland wie im nahen Osten. Ja selbst Hitler kämpfte im Namen seines Herren. Dabei beziehe ich mich absolut nicht auf eine Religion direkt; es ist mir dabei völlig egal ob die einen nun eine Kuh anbeten oder die anderen denken das wir alle von einer Muschel abstammen oder wieder andere daran glauben das Jungfrauen auf sie warten, Jesus über das Wasser wandelte oder Moses das rote Meer teilte. Ich verstehe nicht, wo der gute Ruf der Religionen her kommt. Ich gehe davon aus, das man überwiegend etwas Gutes bewirken muss um einen guten Ruf zu haben… was ist so hervorragend gut an Religion, das es diesen guten Ruf rechtfertigt?

Euer geschmacksfrage

9 Kommentare »

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  1. Aus meiner Sicht hätte, wenn überhaupt, einzig und allein der Buddhismus einen guten Ruf verdient … aber das ist nur meine ganz persönliche Meinung, ohne das ich an Budda glaube. bei allen anderen Religionen sehe ich vorwiegend Allmachtsstreben, Profitgier und Kontrolle im Vordergrund. Oder wie soll ich mir Erklären, das auf der einen Seite Mitmenschlichkeit und harmonie gepredigt wird aber gleichzeit grausamste Kriege und Verfolgungen aktiv unterstützt und betrieben werden?

  2. @Geschmacksfrage: der Buddhismus hat zwar im Vergleich zum Christentum und dem Islam relativ wenig Verfolgung und Krieg auf dem Gewissen, aber „ganz ohne“ ist er nicht – der tibetische Buddhismus diente zur Rechtfertigung eines unterdrückerischen Feudalsystem im „alten Tibet“; und das z. B. die den Zen-Budddhismus praktizierenden japanischen Samurai alles andere als Pazifisten waren, dürfte allegemein bekannt sein.

    Meine Überzeugung: das Problem liegt nicht bei den religiösen Lehren an sich. Wenn „Religion Privatsache“ ist, dann stellen sich die von Zappie angesprochenen Fragen nicht – oder schlimmstenfalls auf dem Niveau von Nachbarschaftstreiterei. Das Problem liegt bei der „organisierten Religion“. Wobei die Faustregel gilt: je weniger Zweifel an der „geoffenbarten Wahrheit“ erlaubt sind, je weniger „Überzeugungsfreiheit“ für den Anhänger besteht, desto gefährlicher ist die jeweilige Religionsgemeinschaft. (Es gibt noch weitere Faktoren, orthodoxe Juden sind z. B. trotzt ihrer strengen Gesetztestreue harmlos, weil das orthodoxe Judentum nicht missioniert. Und selbst eine sanfte, tolerante Buddhismusvariante wird gefährlich, wenn sie penetrant und fanatisch auf neue Anhänger und Verbreitung aus ist.)

    Aber zurück zum „guten Ruf“. Für das Christentum lässt sich diese Frage recht gut beantworten: die „Kirchenväter“ eigneten sich alles an, was sie gebrauchen konnten, und stempelten ihr „Copyright“ darauf.(So gesehen hat der „gute Ruf“ der christlichen Kirchen Ähnlichkeit mit dem „guten Ruf“ von Microsoft.) Tatsächlich gilt der Satz: was am Christentum nicht jüdisch ist, ist heidnisch. Zeitgleich mit der Behauptung, dass z. B. die Idee der Nächstenliebe original christlich sei, setzte eine Propaganda ein, die nichtchristliche Religionen (vor allem dem Judentum, aus dem das Christentum hervorging, aber auch die toleranten polytheistischen Religionen des römischen Reiches) buchstäblich „verteufelte“, was übrigens auch agnostischen und atheistischen Philosophen geschah. (Beispiel: der altgriechische Philosoph Platon wurde wegen seiner für kirchliche Zwecke brauchbaren Ideenlehre“ als Vordenker des Christentum“ vereinnahmt, während sein Kollege Epikur, der zeigte, dass zur Angst vor Göttern und vor dem Tod kein Grund besteht, als gewissenloser Verführer und Lustmolch dargestellt wurde.)

    Der „gute Ruf“ der Religionen beruht auf: 1. einem in harten Auseinandersetzungen errungenen de facto Monopols für ethische Fragen, 2. geschickter Propaganda nebst Geschichtsfälschung, 3. der Assimilation bzw. der Inanspruchnahme von Errungenschaften, die außerhalb des Rahmens der jeweilige Religionsgemeinschaften entstanden. (Ratzinger alias B 16 stellt z. B. die Aufklärung als aus der christlichen Kultur hervorgegangenen Errungenschaft dar. Womit er zwar nicht völlig falsch liegt, dabei aber verschweigt, dass die Aufklärung eine Gegenbewegung gegen den Absolutheitsanspruch des Christentums und vor allem die geistige Diktatur der katholischen Kirche war.)

  3. Komisch. Das gleiche, was geschmacksfrage da schreibt, hat gestern abend ein Anwalt bei „Boston Legal“ zu den Geschworenen gesagt…

  4. @MartinM – Ich stimme dir voll auf und ganz, deswegen habe ich ja auch in Bezug auf den Buddhismus geschrieben „…wenn überhaupt..“ ;) Übrigens stammt der Artikel von mir, wie du an der Unterschrift sehen kannst ;)

    @schwupi – FULL ACK, diese gestrige Szene war der Auslöser das ich es gebloggt habe :)

  5. Scheiß TV Junkies. :P

  6. @MartinM
    Genialer Kommentar, ich danke dir.

  7. Was meint „guter Ruf“?
    Warum wäre es relevant, wenn sie den hätten?
    Suchst Du Halt außerhalb von Dir selbst?
    Jemandem, der Dir Vorbild ist?

    Anhänger mystischen Richtungen suchen Gott, die Erlösung vom Leiden oder was auch immer beispielsweise in sich selbst. (Zennies, Sufis, Meister Eckhart etc….) Und daran tun sie gut.

    Gleichwohl: Gier, Neid, Hass und Illusionen entstehen unaufhörlich. Bei allen Menschen.

    “Je mehr du dich mit deinem Affengeist und Pferdewillen befasst, desto verrückter wird dieser Affen- und Pferde-Geist im Kreis herumspringen und seinen Spaß mit dir treiben. Du kannst Zazen praktizieren, Nenbutsu ausüben (den Namen Amithaba Buddhas rezitieren), die Gebote so strikt einhalten wie du willst – du kannst warten bis du steinalt wirst: Du wirst deine Illusionen niemals loswerden. Wie verzweifelt du auch versuchst, deine Illusionen auszulöschen, du wirst nicht den Zustand des Nicht-Denkens oder Nicht-Geistes erreichen – du wirst dich nur selbst verrückt machen!” Kodo Sawaki

    Nichts ist perfekt oder rein (frei von „Makeln“), weil Reinheit und Perfektion jedweder Art ebenfalls nur eine Illusion sind.

    Also warum sollte man von irgendjemandem auf der Welt erwarten, dass er frei von diesen Dingen ist?
    Andererseits: Warum sollte man es nicht?

    Deswegen:
    Alles vollkommen, so wie es ist. Das Universum irrt nicht.

    Vielleicht interessiert Euch das hier:
    http://kodo.wordpress.com/2007/07/28/komm-zu-uns/
    http://kodo.wordpress.com/2007/07/05/soto-ist-gut/

  8. religion ist heilbar!

  9. ich kann nur für mich selbst – also ‚meine‘ religion, meinen glauben – sprechen:
    seinen wirklich „guten“ ruf verdankt das christentum Christus!
    seinen schlechten ruf den kirchlichen strukturen, den machtkämpfen derjenigen, die das christentum als alibi oder „deckung“ oder „speerspitze“ für sich und ihr handeln im eigenen machtinteresse missbrauchten.

    mit JESUS CHRISTUS hat das nur in sofern etwas zu tun, als er die eigentliche basis christlichen glaubens ist. aber die hatten die machthaber doch längst verloren.

    ps das gilt im übrigen explizit für diesen hitler, der sich selbst an die stelle Gottes setzte und sich huldigen ließ.
    leider haben das die gläubigen christen damals nicht rechtzeitig erkannt. als es offensichtlich war, waren sie schon längst mundtot gemacht.


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