Deutschland in der Sozial-Falle?

Dienstag 29 Januar. 2008 um 21:28 | Veröffentlicht in Dumme Welt, Meine Meinung!, Politik Kram, Welt Politik | 13 Kommentare
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Ich könnte mich ja aufregen. Ich mach es auch. Aufregen tut mich dieser Artikel von Wolfgang Kader bei SpOn. Sein Thema ist, dass seiner bescheidenen Meinung (oder ist es die Meinung seiner Auftraggeber?) die Deutschen handeln als ob die Globalisierung ein böser Traum wäre.

Endlich, so dachten wir in holder Einfalt, haben das Volk und die politische Führung verstanden: Nur wenn sich das Land an die Gesetze der neuen, der globalen Wirtschaftswelt anpasst, hat es eine Chance, im weltweiten Wettlauf zu den Gewinnern zu gehören.

Deutschland steht mit seinen Exporten zur Zeit noch recht gut, dass verschweigt der gute Herr Kader (dass ein nicht geringer Teil der Exporte auf Herstellung und Vertrieb von Waffentechnik aller Art basiert, ist zwar traurig aber leider wahr).

Wie schon in den Neunzigern lebt Deutschland nach dem wenig bewährten Grundsatz, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Es darf eben nicht sein, dass auch auf ältere Arbeitslose Druck ausgeübt wird, sich einen neuen Job zu suchen. Es darf nicht sein, dass die Einkommen über Jahre hinweg stagnieren, womöglich gar sinken. Es darf nicht sein, dass eine Friseurin in Sachsen nur 4,50 Euro in der Stunde verdient.

Es darf auch nicht sein, dass jemand so wenig verdient, dass er nicht in der Lage ist sich selber oder seine Familie zu ernähren ohne auf Fremde Hilfe, sprich ergänzende Hilfe zum Lebensunterhalt angewiesen zu sein (oder sollen in ihrer Welt Friseure nach Feierabend Betteln und unter einer Brücke schlafen? Oder ihren Kunden sexuell gefällig sein?). Auch Druck auf älter Arbeitslose auszuüben würde ich als Schikane mit Menschenverachtenden an Folter grenzenden Methoden nennen. Diese Menschen brauchen in erster Linie Hilfe und nicht Druck. Und wenn ein MA der Arge mit ihnen zusammen zum Vorstellungsgespräch geht um den ersten Schritt zu machen, was meinen Sie, wie das gerade Älteren helfen würde. Aber lieber dieses assoziale Pack erniedrigen bis es in den Selbstmord flüchtet, oder wie soll ich Sie verstehen.

Doch das Wünschbare ist das Eine, ökonomische Vernunft und Realität sind das Andere. Und wir sind derzeit munter dabei, Meisterwerke der wirtschaftlichen Unvernunft zu bauen.

Die ach so ökonomische Vernunft hat uns Arbeitlosen Zahlen in nie geahnter Höhe beschert (ich meine jetzt die realen Zahlen, die deutlich über 6 Millionen liegen dürfte), Kinderarmut die in dieser Größenordnung noch vor 10 Jahren unvorstellbar war, massenweise subventionierter Minijobs an denen sich vor allen Kriminelle die sich Unternehmer nennen gesundstoßen, während der Allgemeinheit die Last aufgebürdert wird, durch Hilfe zum Lebensunterhalt, den Unternehmern ihre hübschen Gewinne zu finanzieren. Natürlich machen sie das nicht direkt in der eigenen Firma. Sie suchen sich ein paar doofe Subunternehmer die dann so schlechte Konditionen kriegen, dass denen nichts anderes übrig bleibt, als ihre Jobs als Minijobs zu vergeben (fragen Sie einfach mal einen Spediteur ihrer Wahl, der wird ihnen das bestätigen).

Stichwort Arbeitslosengeld. Es ist beschlossen, der Bezug des Arbeitslosengelds I für Ältere wird von 18 auf 24 Monate ausgedehnt.

Entschuldigung, aber dafür haben die oft 30 und mehr Jahre gearbeitet.

Und es mindert wieder, schlimmer noch, die Bereitschaft Älterer, sich einen neuen Job zu suchen.

Ja sicher, wie ich oben schon schrieb: Die Leute brauchen Hilfe keine Prügel. Was meinen Sie, wenn Sie mal arbeitslos werden. Wer meinen Sie soll sie anstellen so als studierter Volkswirt, der Zeit seines Lebens nur als Journalist tätig war, und offensichtlich, ähnlich wie ein gelernter Politiker nicht die geringste Ahnung vom Leben da draußen hat?

Aber der Lokführer-Abschluss von elf und Forderungen von acht Prozent bei den Beamten und den Stahlarbeitern lassen Erhöhungen weit jenseits der Produktivitätsentwicklung erwarten. Das alles wird unzweifelhaft Jobs kosten.

Der Lokführer Abschluss in der Form war nötig, falls Sie nicht wissen was so ein Lokführer verdient, fragen sie mal einen. Es ist wirklich im Verhältnis zur Verantwortung in Verbindung mit der Schichtarbeit und unbezahlten Überstunden lächerlich, auch nach der Erhöhung. Beamte könne ruhig auch mal wieder einen Schluck haben, nachdem denen in letzter Zeit vielerorts das Urlaubsgeld und das Weihnachtsgeld und sonstige Zulagen gestrichen worden sind, die holen sich nur wieder was ihnen genommen wurde. Auch Norberts Kumpel am Hochofen wollen auch mal wieder was haben, denn in der Stahlproduktion ist der Posten Löhne und Gehälter, bis auf die der Aufsichtsräte und Manager, der geringste.

Entweder sind Mindestlöhne, wie in Großbritannien oder den USA, so niedrig angesetzt, dass sie nur von einer mikroskopisch kleinen Minderheit beansprucht werden. Oder sie sind so hoch, dass sie Arbeitslosigkeit produzieren. Wie in Frankreich; dort ist das vor allem Jugendarbeitslosigkeit. Und diese Arbeitslosigkeit ist dann für das Gemeinwesen teurer als die marktwirtschaftliche Variante des Aufstockens.

In Großbritannien liegt er Mindestlohn bei 8,20 Euro und in Frankreich bei 8,44 Euro. Ich glaube kaum, dass die 22 Cent die Stunde mehr Schuld sind sn der Jugendarbeitslosigkeit. Die Jugendarbeitslosigkeit hat viele Ursachen, die ich hier nicht näher erörtern möchte, da sie in erster Linie mit der soziologischen Struktur zu tun hat und damit ein gesellschaftliches Problem darstellt. Aber da ist ja noch die marktwirtschaftliche Variante des Aufstockens. Das ist wirklich eine tolle Idee. Nehmen wir mal an, dass 90 Prozent der deutschen, sofern sie denn überhaupt Arbeit haben, für einen Lohn unterhalb von 5 Euro arbeiten oder einen der beliebten Minijobs hat. Jetzt hat jeder Anspruch auf Aufstockung, da ja auch die Miete bezahlt werden muss und die Kinder auch mal was zum Essen und anziehen brauchen.

Erstens:

Was würde mit der Wirtschaft passieren wenn Aldi, Penny und Lidl plötzlich zu Edel-Feinkostläden aufsteigen würden und die Hamburger Tafel zum größten Lebensmitteldiscounter Deutschland werden, wenn H & M plötzlich nicht mehr für Hennes Mauritz steht sondern für HeilsarMee? Der Binnenmarkt würde komplett zusammen brachen. Die Autoindustrie würde am Boden liegen die Steuereinnahmen auf quasi Null zusammen brechen. Zusätzlich würde die Kriminalität massiv ansteigen und der Staat müsste zuschauen weil keine Mittel da sind die Polizei zu bezahlen. Letzendlich würde das ganze Land ins Chaos stürzen und benachbarte Länder, wenn nicht sogar ganz Europa mitreißen.

Zweitens:

Wer soll das bezahlen wenn so gut wie keine Steuereinnahmen mehr vorhanden sind?

In einer Wettbewerbswirtschaft richtet sich die Lohnfindung seit jeher
nicht an schwammigen Gerechtigkeitsvorstellungen aus. Sondern an dem,
was Arbeit leistet, an der Produktivität eben.

Ja ne, eben nicht. Schon mal versucht eine Krankenschwester im Akkord zu bezahlen? Oder einen Seelsorger? Ach die sind nicht produktiv, aber Sie sind es oder?

Horst Siebert, der Kieler Ökonom, hat das mal ganz schlicht formuliert:
„Ein Unternehmen wird dann einen zusätzlichen Arbeitnehmer einstellen,
wenn er mehr für das Unternehmen einbringt, als er kostet.“ Jeder
Versuch, diese Logik der sogenannten Grenzproduktivität auszuhebeln,
wird wieder mehr Arbeitslosigkeit produzieren.

Wie definieren Sie den Wert eines Mitarbeiters? Ein Mitarbeiter der durch seinen Support den Kunden gegenüber dafür sorgt, dass die Kunden zufrieden sind, kostet Geld, mehr Geld als er einbringt, aber er hat zufriedene Kunden, die ebenfalls neue zufriedene Kunden nach sich ziehen und so weiter. Ich kannte da mal einen kleinen Baustoff Händler. Einer seiner Platzarbeiter hat für eine oder mehrere Flaschen Bier (das war die Währung bei ihm) auch mal einen Sack Zement mehr aufgeladen, oder ein Paar Mauersteine extra dazu geben. Irgendwann kam der Junior Chef dahinter und hat ihn rausgeworfen. Juristisch korrekt, da gibt es nichts dran zu rütteln. Allerdings hatte die Aktion einen schwerwiegenden Nachteil. Der Umsatz im Baustoff Sektor brach um über 30 Prozent weg. Junior Chef fragte den Alten, der sich zur Ruhe gesetz hatte was er machen solle, er sei Ratlos. Der Alte antwortete, stell den Platzarbeiter wieder ein, dann kommt der Umsatz auch wieder hoch. Es war tatsächlich so, dass viele Kunden nur wegen ihm gekommen sind, weil sie wussten, dass wenn man mal Kleinkram was braucht nicht erst zur Kasse rennen muss. Gerade Handwerker haben diesen Service zu schätzen gewusst und mit Treue bei Großaufträgen belohnt.

Wo aber sind die Autoritäten, die solche Wahrheiten vermitteln?

Weg, Gott sei Dank. Denn das sind Ihre Wahrheiten nicht die der Allgemeinheit und demzufolge nicht nur unbeliebt sonder auch schlicht und ergreifend falsch.

Das einzige wo ich mit Wolfgang Kaden einer Meinung bin, ist die Gier der Manager. Allerdings ist das auch ein globales Problem. Sich Manager aber als Vorbilder für den Rest der Bevölkerung vorzustellen, da habe ich ein Problem mit. Wenn jeder wie ein hochrangiger Manager handeln und denken würde, dann hätten wir bald keinen Menschen mehr auf den Planeten weil diese sich ausgerottet hätten…

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